
nach 13 Jahren schliesst fraum ihre Türen
In ein paar Tagen geben wir die Schlüssel zur fraum ab. Schon jetzt stehen die Räume an der Mattengasse leer. Vor dreizehn Jahren sind wir eingezogen mit dem Wunsch nach einem Raum für Frauen. Es ist vor allem ein Raum VON Frauen geworden. Eine Antwort auf die Frage, was Frauen machen mit einem eigenen Raum. Gemeinsam lesen zum Beispiel. Andere Frauen einladen. Am offenen Fenster sitzen. Wir haben uns einen Raum geleistet und jetzt leisten wir es uns, wieder aufzuhören. Kürzlich sagte S, als wir zum letzten Mal einer Gruppe die fraum zeigten: «Man muss nicht immer alles für immer machen. Ihr habt es gemacht und jetzt kann eine andere sagen: Aha, das kann ich auch.» Das ist feministische Genealogie = Bezug nehmen auf andere Frauen. Wenn ich als Historikerin etwas aus der Geschichte der Frauenbewegung gelernt habe, dann dass Aufhören eine eigene Aufmerksamkeit erfordert. Aufhören bringt alles neu in Fokus. Was danach passiert, weiss niemand. Über fraum bin ich in einen Frauenzusammenhang eingetreten, eine Frauengeschichte, eine Frauenselbstverständlichkeit.
Es gibt eine Stadt der Frauen. Sie zieht eigene Linien durch die Luft.
(Bettina Stehli)







